Elektrotherapie bei Lähmungen

Was ist eine Elektrotherapie?

Bereits als Kind lernen wir, dass Strom gefährlich ist. Bei Stromunfällen kann sogar nach wenigen Minuten der Tod eintreten. Die Elektrotherapie ist sehr sanft und führt gezielt Muskelkontraktionen herbei. Die Behandlung ist nicht schmerzhaft, der Patient bemerkt eventuell ein leichtes Kribbeln an den Stellen, an denen die Elektroden angelegt sind.

Mit einer Elektrotherapie werden elektrische Impulse genutzt, um Heilungsvorgänge im Körper zu unterstützen oder zu aktivieren. Nieder-, mittel- oder hochfrequente Stromformen regen Nerven oder Muskeln an oder entspannen sie. Die elektrischen Impulse verbessern die Durchblutung, da es im Gewebe zur Verschiebung von Flüssigkeiten kommt, die Blutgefäße erweitern sich und Schmerzen werden gemildert.

Entstehung der Elektrotherapie

Nachweislich wurden elektromagnetische Wechselfelder bereits 1764 zur Erwärmung oder Verbesserung der Durchblutung eingesetzt. Die Wund- und Knochenheilung beschleunigte sich damit. An der Universität in Jena schrieb Christian Heinrich Ernst Bischoff über die Behandlung von neurologischen Krankheiten. Die Elektrotherapie wurde in der Folge weiter erforscht und wird heute bei vielerlei Beschwerden eingesetzt.

Werden Muskeln nicht regelmäßig genutzt, zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder als Schonhaltung bei Schmerzen, verkümmern sie schnell. Dabei kann der regelmäßige Einsatz einer Elektrotherapie vorbeugen, indem der betroffene Muskel stimuliert wird.

Der Einsatz der Elektrotherapie bei Lähmungen

Bereits 1855 entwarf Guillaume-Benjamin Duchenne eine Weiterentwicklung der Elektrotherapie. Er lenkte den elektrischen Impuls mit von ihm entwickelten Elektroden auf bestimmte Körperbereiche. Bei Lähmungen und Neuralgien behandelte er damit gezielt die betroffenen Körperteile.

Eine Sonderform der Elektrotherapie kommt bei der Behandlung von peripheren und zentralen Lähmungen zum Einsatz. Verwendet werden nieder- und mittelfrequente Reizströme, deren Impulsdauer, Pausen, Stromform und Stromstärke individuell an den Grad der Lähmung angepasst sind. Die Basis für die Elektrotherapie sind die ärztliche Diagnose sowie der Befund des Physiotherapeuten.

Bei einer spastischen Lähmung verkrampfen sich Muskelgruppen, die durch die Elektrotherapie entkrampft werden.

Eine schlaffe Lähmung entsteht, wenn ein Muskel durch den jeweiligen Nerv nicht mehr angeregt wird. In der Folge wird das Gewebe abgebaut, was den Verlust der Muskelgruppe nach sich zieht. Eine regelmäßige Anwendung der Elektrotherapie trainiert diese Muskelgruppe, bis der Nerv diese Aufgabe wieder übernehmen kann.

Die Kosten

In klinisch kontrollierten Studien wurde die Wirksamkeit der Elektrotherapie nachgewiesen. In vielen Fällen übernehmen deshalb die Krankenkassen die Kosten.

Die Dauer

Die Behandlungszeit der einzelnen Behandlungen betragen zwischen fünf und zehn Minuten.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen bei der Elektrotherapie sind bisher nicht bekannt.